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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Svalbard - ein "Naturlabor" auf dem Dach der Welt

Svalbard - im deutschen Sprachraum als Spitzbergen bekannt - liegt auf halber Strecke zwischen der nördlichen Spitze Europas und dem Nordpol. Für Wissenschaftler der verschiedensten Fachgebiete, sei es Klimaforschung, Glaziologie, biologische Vielfalt, Meeresströmungen oder da...

Svalbard - im deutschen Sprachraum als Spitzbergen bekannt - liegt auf halber Strecke zwischen der nördlichen Spitze Europas und dem Nordpol. Für Wissenschaftler der verschiedensten Fachgebiete, sei es Klimaforschung, Glaziologie, biologische Vielfalt, Meeresströmungen oder das Magnetfeld der Erde, ist das Archipel ein faszinierendes Studienobjekt. "Svalbard ist schon seit mehr als 200 Jahren eine wichtige Bühne für die Polarforschung, und aufgrund neuester Entwicklungen hat diese Forschungsplattform in der Arktis für die internationale Wissenschaft noch an Bedeutung gewonnen", erklärt Staatssekretär Jens Revold vom norwegischen Bildungs- und Forschungsministerium im Rahmen einer Veranstaltung, die die Ständige Vertretung Norwegens bei der EU organisiert hat, um Werbung für Svalbard als Forschungsstandort zu machen. Einer der wichtigsten Forschungsbereiche, für die sich Svalbard anbietet, ist der Klimawandel. Dem IPCC zufolge ist speziell die Arktis von der Klimaveränderung betroffen und die ersten Auswirkungen der globalen Erwärmung sind dort bereits sichtbar. Die Temperaturen steigen und der Eisfjord ist seit zwei Jahren eisfrei. Viele Wissenschaftler untersuchen diese Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die lokale Flora und Fauna. Luftverschmutzung ist ein weiteres Problem auf den Inseln, denn der Wind trägt die Schadstoffe aus den südlicheren Breitengraden in die Arktis. An manchen Tagen ist die Verschmutzung so stark, dass die Inseln hinter einem Dunstschleier verschwinden. Etwa die Hälfte der Schadstoffe kommt aus Europa - ein Grund, warum Kim Holmén vom norwegischen Polarinstitut darauf hinwies, dass Europa eine besondere Verpflichtung habe, zu einem besseren Verständnis der arktischen Ökosysteme beizutragen. Aufgrund seiner Nähe zum Nordpol eignet sich Svalbard ideal für Untersuchungen des Magnetfelds der Erde oder zur Erforschung von Leuchterscheinungen wie dem Polarlicht, Aurora Borealis. Ein wesentliches Argument für das Archipel als Forschungsarena ist seine günstige Lage: Keine andere Region nördlich des Polarkreises ist so einfach zu erreichen. Auf den Inseln gibt es derzeit vier Forschungsstationen: die polnische Station in Hornsund im Süden und die norwegische Station in Ny-Ålesund, der am nördlichsten gelegenen festen Siedlung der Welt. Dazwischen befinden sich die norwegische Station in Longyearbyen, der Hauptstadt Svalbards, und die russische Station in Barentsburg. Die vier Forschungsstationen bieten Wissenschaftlern nicht nur Zugang zu erstklassigen Forschungseinrichtungen, sondern auch viele Annehmlichkeiten. Die norwegische Regierung und ihre internationalen Partner haben viel in die Forschungsinfrastruktur investiert. Nicht zuletzt deshalb ist auf den Inseln eine florierende internationale Forschergemeinde entstanden. Ein weiterer Pluspunkt für Svalbard ist die atemberaubende Landschaft. Bei der Veranstaltung sagten mehrere Redner, sie hätten ihr Herz an die Inseln verloren. Norwegen nimmt schon seit vielen Jahren aktiv an den Forschungsrahmenprogrammen der EU teil und unterstreicht, dass Svalbard trotz seiner Lage weit ab vom Kontinent eine Schlüsselregion des Europäischen Forschungsraums ist. Viele EU-geförderten Projekte und mehr als 30 der 166 offiziellen Projekte des Internationalen Polarjahres werden in und um Svalbard durchgeführt. Um Svalbards Ruf als internationale Forschungseinrichtung zu festigen, hat die norwegische Regierung einen Vorschlag bei der ESFRI (European Strategy Forum on Research Infrastructures) zur Entwicklung von Svalbard als internationale Forschungsplattform eingereicht. Das Svalbard Integrated Arctic Earth Observing System (SIAEOS) soll dabei sicherstellen, dass alle Forschungsaktivitäten auf Svalbard gut koordiniert und organisiert sind und dass Lücken und Schwächen angesprochen werden. Die Koordinierung der Forschung auf Svalbard und die Vermeidung von Doppelarbeit ist jedoch eine schwierige Aufgabe. "Es gibt Geschichten, wenn auch wahrscheinlich etwas übertrieben, dass einige der Vögel hier so oft beringt wurden, dass sie aussehen, als kämen sie aus einem Juwelierladen", sagte Revold. Kernstück des Vorschlags ist ein Wissenszentrum in Longyearbyen, in dem die Daten der Projekte auf dem Archipel bewertet und gespeichert werden, damit sie dann zum Beispiel für Modelle und Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden können. SIAEOS wird seine Aktivitäten mit anderen Erdbeobachtungssystemen und -modellierungsprojekten abstimmen und die Ergebnisse in das größere Arctic Observation Network einspeisen. "Wir sind der Überzeugung, dass das Forschungspotenzial auf Svalbard noch nicht ausgeschöpft ist, und dass dieses Forschungspotenzial für die wissenschaftliche Gemeinde Europas von großem Interesse ist", resümiert Revold. "Unserer Ansicht nach bietet Svalbard eine wertvolle Bereicherung der europäischen Infrastruktur und einen Ort, an dem hervorragende Forschung von weltweiter Bedeutung durchgeführt werden kann."

Länder

Norwegen

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