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Eurohear-Forscher finden ein für das Hören unverzichtbares Protein

Forscher aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich haben herausgefunden, dass das Protein Stereocilin, das in feinen, haarähnlichen Fortsätzen im Ohr vorkommt, für die Differenzierung zwischen wichtigen Geräuschen und Umgebungsgeräuschen unerlässlich ist. Ihre Erkenntnisse...

Forscher aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich haben herausgefunden, dass das Protein Stereocilin, das in feinen, haarähnlichen Fortsätzen im Ohr vorkommt, für die Differenzierung zwischen wichtigen Geräuschen und Umgebungsgeräuschen unerlässlich ist. Ihre Erkenntnisse gewannen sie im Rahmen des Eurohear-Projekts, das unter der Maßnahme "Biowissenschaften, Genomik und Biotechnologie im Dienste der Gesundheit" des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) finanziert wird. Das Innenohr ist der Teil des Ohrs, der für das Wahrnehmen, Verstärken und Filtern von Geräuschen zuständig ist, bevor diese zur Auswertung an das Gehirn weitergeleitet werden. Der Vorgang des "Ausblendens", bei dem wichtige Geräusche gefiltert und Hintergrundgeräusche nicht durchgelassen werden, ist für das Hören ausschlaggebend, da nur so das Verstehen von Sprache ermöglicht wird. Das "Ausblenden" wird durch Störungen im Innenohr verursacht, wodurch ein Geräusch ein anderes verdrängen kann. Diese Störungen können vom Gehörgang aus wahrgenommen werden, und die ausgesandten Signale lassen sich leicht mithilfe eines Mikrofons in der Größe eines Hörgeräts auffangen. Aufgrund dessen können Ärzte schon bei der Geburt Schädigungen des Gehörs feststellen. Der Autor der aktuellen, in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie ging dem Ursprung dieser nützlichen Störungen auf molekularer Ebene nach. Im Innenohr befinden sich zwei Arten von Sinneszellen: die inneren und die äußeren "Haarzellen". Die äußeren Haarzellen verstärken und schärfen den Schall, während die inneren Haarzellen die Informationen an das Gehirn weiterleiten. An den äußeren Haarzellen befinden sich Stereozilien. Dies sind haarähnliche Fortsätze, die sich den Schallwellen entsprechend bewegen und dabei eine Reihe von Reaktionen auslösen, die wiederum einen Nervenimpuls erzeugen. Darüber hinaus spielen die Stereozilien eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von Störungen. Sie sind in drei Reihen zunehmender Größe angeordnet und durch Bindeglieder an ihren Spitzen miteinander verknüpft. Das Protein Stereocilin steht damit in Verbindung. Hierbei handelt es sich um einen reißverschlussartigen "Tip-Link", der die Spitzen der angrenzenden Stereozilien innerhalb der Reihen und zwischen den Reihen miteinander verbindet. Die Wissenschaftler züchteten Mäuse, die kein Stereocilin produzierten, und fanden heraus, dass diese Mäuse keine "Tip-Links" zwischen den Stereozilien bildeten. Infolgedessen wiesen die Mäuse schon in der ersten Lebensphase eine weitaus geringere Fähigkeit zum "Ausblenden" auf; im späteren Verlauf wurden sie zunehmend taub. Bei ihnen konnten keine Störungen in Form akustischer oder elektrischer Wellen beobachtet werden. Interessanterweise konnten sie aber Geräusche normal wahrnehmen und filtern. "Da sowohl die Wahrnehmung im Innenohr als auch die Störungen über die äußeren Haarzellen erfolgen", heißt es in der Studie, "wurde vermutet, dass sie von einem gemeinsamen Mechanismus abhängen. Wir hingegen zeigen in unserer Studie, dass die Nichtlinearität, der die wellenförmigen Störungen im Innenohr unterliegen, auf das Vorhandensein des Stereocilin angewiesen ist, eines Proteindefekts, das sich als nachlassende Form der Taubheit beim Menschen bemerkbar macht." Die Ergebnisse der Studie helfen uns dabei, die molekularen Mechanismen, die beim Hören zum Einsatz kommen, besser zu verstehen. Sie liefern wertvolle Informationen für die Entwicklung therapeutischer Hilfsmittel, die sich das Eurohear-Projekt zur Aufgabe gemacht hat. Eurohear vereint 250 Wissenschaftler aus 22 Hochschuleinrichtungen und 3 kleine Unternehmen in 10 Ländern. Das fünfjährige Projekt, das im Dezember 2004 startete, erhielt 12,5 Millionen Euro von der Europäischen Kommission.

Länder

Frankreich

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