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Eine Krebsbekämpfung, die dem Krebs auf die Schliche kommt

Immuntherapeutika sind zwar wirksam, schlagen aber nicht bei allen Betroffenen an. Eine neue Strategie zur Aktivierung des Immunsystems könnte das nun ändern.

Gesundheit

Die Immuntherapie hat sich bei der Krebsbekämpfung als besonders wirksame Methode erwiesen. Sie ermöglicht bei Betroffenen mit metastasierendem Krebs eine zuvor nicht erzielbare Überlebensrate von fünf Jahren. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen spricht allerdings nicht auf Immuntherapeutika an, sodass ihnen kaum andere Behandlungsmöglichkeiten bleiben. Das EU-finanzierte Projekt STI-001 konzentrierte sich daher auf die Entwicklung neuartiger immuntherapeutischer Behandlungen, die auf den Signalweg für den sogenannten STING-Signalweg (STimulator von INterferon-Genen) abzielen. Sie sollen das Immunsysteme stimulieren, um eine starke und anhaltende Antitumor-Antwort auszulösen, die keine personalisierten Therapien erfordert. Das Projekt wurde vom französischen Biotechnologie-Start-Up Stimunity getragen, das sich zuvor eine Startkapitalfinanzierung von 2 Millionen EUR durch die Risikokapitalgesellschaft Portage Biotech sichern konnte. Das Projekt STI-001 hatte zum Ziel, die Machbarkeit einer Markteinführung der ersten solchen Wirkstoffkandidaten zu bestätigen. „Im Grunde geht es darum, das Immunsystem darauf zu trainieren, Krebs zu erkennen und zu zerstören“, so Sylvain Carlioz, Projektkoordinator von STI-001 und Geschäftsführer von Stimunity. „Die Immuntherapie zeigt sehr vielversprechende Ergebnisse, sofern sie anschlägt, doch das Hauptproblem besteht gegenwärtig darin, bei allen Betroffenen ein Ansprechen auf solche Therapeutika zu erreichen.“ Das größte Problem bei der Immuntherapie ist, dass Krebszellen sehr große Ähnlichkeit mit gesunden menschlichen Zellen aufweisen. Dadurch ist es für das Immunsystem sehr schwer, sie als solche zu erkennen, nicht zuletzt da es bei Betroffenen mit metastasierendem Krebs ohnehin bereits geschwächt ist. Der Wirkstoffkandidat von Stimunity, STI-001, soll eine Immunantwort auslösen, die auf alle Krebszellen abzielt. „Wenn der STING-Signalweg überaktiviert wird, kommt es zu einer massiven Entzündungsreaktion, die unspezifisch gegen den Krebs agiert“, erläutert Carlioz. „Wird er aber gezielt aktiviert, kann man eine effektive und lang anhaltende Antitumor-Antwort auslösen“, fügt er an. Um genau das zu erreichen, setzt Stimunity auf virusähnliche Partikel (VLP), welche mit einem Wirkstoff beladen sind, der das Immunsystem über den STING-Signalweg stimuliert. Diese Partikel fließen über die Lymphknoten ab, wo der Wirkstoff eine weitere Immunantwort auslöst. Da die Lymphknoten die am häufigsten von Krebszellen befallenen Organe sind, wird durch diese Methode eine gezielte Immunreaktion gegen den Krebs erreicht. „Das Erfreuliche daran ist, dass wir dabei keine Tumorantigene benötigen“, merkt Carlioz an. „Das ist nicht unerheblich, denn Tumorantigene sind patientenspezifisch und daher ausgesprochen komplex und kostspielig in der Herstellung.“ Das Projekt wurde über das EU-Programm „Horizont 2020“ unterstützt. Obwohl diese Finanzierung gegenüber anderen Investitionen vergleichsweise niedrig war, trug sie laut Carlioz doch entscheidend zur Anerkennung des Unternehmens bei: „Das Auswahlverfahren ist sehr streng und man muss sich gegen andere Kandidaten aus ganz Europa behaupten – das hatte für uns eine Hebelwirkung, um die nächste Kapitalrunde abzuschließen.“ Auf lange Sicht möchte das Unternehmen eine Produktreihe für die Krebsimmuntherapie auf der Basis von firmeneigenen virusähnlichen Partikeln entwickeln und sich als führender Anbieter dieser Form von Immuntherapie etablieren. Kurzfristig plant Stimunity, die Herstellung der VLP zu optimieren und EU-Fördermittel der Phase II zu beantragen, um STI-001 in die klinische Prüfung zu bringen. Öffentliche Mittel sind zur Unterstützung solcher Vorhaben von zentraler Bedeutung. Carlioz dazu: „Es ist ein sehr riskantes und komplexes Unterfangen ohne direktes Ergebnis. Man muss das richtige Gleichgewicht finden, und das ist ein langer Prozess. Öffentliche Mittel sind ganz entscheidend, um die unerwarteten Schwierigkeiten, auf die man in der Forschung und Entwicklung trifft, abzufedern.“

Schlüsselbegriffe

STI-001, Stimunity, immun, Immunsystem, VLP, virusähnliche Partikel, Virus, Partikel, STING, Lymphknoten, Krebs, Immuntherapie

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