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Bahnbrechender Allergietest für weltweit relevante Allergene

Bei allergischen Symptomen, angefangen beim Schnupfen bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock, ist eine genaue Diagnosestellung sowohl für Betroffene als auch ärztliches Personal von entscheidender Bedeutung.

Gesundheit

Angaben des weltweiten Dachverbands für Allergologie, der World Allergy Organization WAO zufolge ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung von Allergien und Asthma betroffen, was Allergien zu einer der größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts macht. Viele wissenschaftliche Prognosen gehen davon aus, dass die weltweite Durchsetzung strenger Hygienemaßnahmen im Zuge der COVID-19-Pandemie dazu beitragen wird, die bereits beobachtete Zunahme von Allergien noch zu vergrößern.

Bahnbrechende Fortschritte in der Allergiediagnostik

Das EU-finanzierte Projekt AllergyExplorer befasste sich daher mit dem Thema Allergie, um einerseits gesundheitliche Risiken zu minimieren, aber auch Kosten durch falsche Diagnosen zu senken. Unzureichende diagnostische Verfahren und daraus resultierende falsche Therapien kosten die EU-Mitgliedstaaten jährlich 140 Mrd. EUR. Die Zahl der Allergene, die in Allergietests ausgetestet werden, ist allerdings bislang auf wenige typische Allergieauslöser beschränkt, was das Risiko von Fehldiagnosen erhöht. Das System von AllergyExplorer präsentiert eine umfangreiche Palette von etwa 300 weltweit relevanten Allergenen – von Meeresfrüchten bis hin zu Hausstaubmilben – sowie viele weitere häufige Allergieauslöser wie Pollen. Der einfache Bluttest weist eine bestimmte Gruppe von Antikörpern nach (Immunglobulin E, IgE), da ein deutlicher Zusammenhang zwischen erhöhten IgE-Werten und Allergien besteht. Das neue System „ist ein Allergietest für global relevante Allergene, der das weltweite Allergiegeschehen gut abbildet. Die Besonderheit an unserem Produkt ist, dass die Auswahl anders als bei vielen unserer Konkurrenten nicht regionalspezifisch ist“, sagt Projektkoordinator Christian Harwanegg. Sobald die Substanzen ermittelt sind, auf die überempfindlich reagiert wird, kann mit Vermeidungs- oder medikamentösen Strategien wie Antihistaminika interveniert werden. Mit dem AllergyExplorer rückt auch eine Allergieimpfung bzw. Hyposensibilisierung in greifbare Nähe, d. h. die wiederholte Gabe eines oder mehrerer Allergene in geringster Dosis. So ließe sich die Häufigkeit von Allergien verringern, zudem wären weniger und nebenwirkungsärmere Medikamente erforderlich.

Durch Paralleltestung der Entwicklung voraus sein

Mit zunehmender Erfahrung konnte die Forschungsgruppe neu auftretende Allergene in den Test integrieren. So kam etwa die Allergie auf die südamerikanische Feuerameise hinzu, die in seltenen Fällen zum anaphylaktischen Schock führt. Eine weitere Neuheit sind essbare Insekten, die eine immer beliebtere Option als proteinreiches Nahrungsmittel darstellen. Angesichts der weltweiten dynamischen Entwicklung ist der AllergyExplorer-Test auch für die Zunahme invasiver Allergene aufgrund der Klimaerwärmung konzipiert. Unter anderem wegen fehlender natürlicher Feinde können neu eingeführte Arten ein Problem darstellen.

Ausbildung als Bestandteil des Projekts

„Zudem entwickelten wir für medizinische Fachkräfte ein Instrument, das die Interpretation von Ergebnissen und Entscheidungsfindungen unterstützt“, erläutert Harwanegg. Nun werden damit Allergiesachverständige weltweit geschult, um insbesondere zur Auswertung komplexer molekularbiologischer Ergebnisse zu befähigen. Schulungen sind von größter Bedeutung, um Unsicherheiten im professionellen Umgang mit diesen Methoden auszuräumen. Mit dem in das Softwarepaket integrierten Instrument zur Interpretations- und Entscheidungsunterstützung und über ein Online-Ärzteportal sammeln die Fachkräfte bei jeder weiteren Behandlung neue Erfahrungen.

Umfassende Unterstützung Allergiebetroffener

Für Betroffene werden Kosten auf zwei Ebenen gesenkt: die Herstellungskosten reduzieren sich durch Automatisierung für die Kundschaft wie auch über den Produktionsprozess. Je nach Art der Krankenversicherung rangieren die Behandlungskosten im Vereinigten Königreich pro Fall zwischen null und mehreren hundert GBP. Das Ziel besteht jetzt darin, den Test so schnell wie möglich in staatliche Rückerstattungssysteme/Krankenversicherungen aufzunehmen. Harwanegg fasst die Vorteile des AllergyExplorer-Tests für Betroffene zusammen: „Wir legen den Grundstein für eine patientenspezifische Allergiediagnostik. Das im Projekt entwickelte Demokratisierungsinstrument liefert sowohl medizinischen Fachkräften als auch Betroffenen optimale Testergebnisse. Wir wollen für jeden Fall die richtige Diagnose ermöglichen.“

Schlüsselbegriffe

AllergyExplorer, Allergie, Allergen, Diagnose, Entscheidungsunterstützung

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