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Die Rolle der Städte beim Aufbau nachhaltiger, gesunder und gerechter Ernährungssysteme

Ein EU-finanziertes Projekt hat eine Reihe von Dialogen mit Schlüsselfiguren der europäischen Politik, der Gemeindeverwaltung und der Ernährungspolitik veranstaltet, um eine entscheidende Frage zu beantworten: Was können Städte tun, um Europa bei der Umgestaltung seiner Ernährungssysteme zu unterstützen?

Gesellschaft
Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Mit Initiativen wie der „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie strebt die EU den Aufbau von Ernährungssystemen an, welche die knapp 450 Millionen Menschen, die innerhalb ihrer Grenzen leben, nachhaltig ernähren können. Um solche nachhaltigen Ernährungssysteme zu schaffen, muss die EU Themen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, ungesunde Ernährungsgewohnheiten und ansteigende Abfallmengen angehen. Doch welche Rolle spielen die Städte bei der Verwirklichung der europäischen Vision von Ernährungssystemen, die nicht nur nachhaltig, sondern auch gesund und gerecht sind? Das EU-finanzierte Projekt FOOD TRAILS (Building pathways towards FOOD 2030-led urban food policies) hat versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden, und veranstaltete diesbezüglich eine Reihe von Online-Frühstücksdialogen. Die Dialoge brachten Schlüsselfiguren der europäischen Politik, der Gemeindeverwaltung und der Ernährungspolitik zusammen, um darüber zu diskutieren, wie Städte zur Umgestaltung von Ernährungssystemen beitragen und Europa dabei unterstützen können, seine Klimaziele zu erreichen.

Gerechte Ernährungssysteme

Im ersten Dialog betonte Herbert Dorfmann, europäischer Abgeordneter für die italienische Region Südtirol und Berichterstatter für die „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie, wie wichtig es ist, die Verbindung zwischen Städten und ländlichen Gebieten wiederherzustellen. „In den letzten Jahrzehnten hat sich die Kluft zwischen den in Städten und auf dem Land lebenden Bürgerinnen und Bürgern vergrößert. Supermärkte können zwar die Produkte landwirtschaftlicher Betriebe verkaufen, aber das Wichtigste ist, dass diese Betriebe in den Städten für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar sind. In diesem Punkt wird die ‚Vom Hof auf den Tisch‘-Strategie ein entscheidendes Werkzeug sein“, erklärte er in einem auf der Website „Slow Food“ veröffentlichten Artikel. Während der COVID-19-Pandemie konnten sich Städte mit engen Verbindungen zu landwirtschaftlichen Betrieben und anderen Akteuren der Lebensmittelversorgungskette besser auf die Krise einstellen. Die stellvertretende Bürgermeisterin von Mailand, Anna Scavuzzo, schilderte hierzu die Arbeit ihrer Stadt mit Netzwerken wie Eurocities und dem Milan Urban Food Policy Pact, die darin bestand, den Zugang der Menschen zu Lebensmitteln durch Maßnahmen wie die Verteilung von Lebensmittelkörben, Lebensmittelgutscheine und finanzielle Unterstützung zu gewährleisten. „Wir haben versucht, sicherzustellen, dass selbst arme Menschen Zugang zu hochwertigen Nahrungsmitteln erhalten und sie sich auch leisten können. Außerdem haben wir es geschafft, den Lockdown zu überwinden. All dies kann geschehen, wenn eine Ernährungspolitik Gestalt annimmt“, bemerkte sie.

Gesunde Ernährung, gesunde Lebensweise

In der zweiten Sitzung wurde die Bedeutung gesunder Ernährungssysteme hervorgehoben. In diesem Zusammenhang sprach die Stadträtin Paulette Hamilton aus Birmingham über die Schritte, die ihre Stadt unternommen hat, um das Wachstum der Fast-Food-Ketten einzudämmen, gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern und Unternehmen zu befähigen, eine gesündere Ernährungswirtschaft aufzubauen. „Es geht darum, das Nahrungsangebot zu verändern, ohne die Verbrauchenden unter Druck zu setzen und ihnen die Schuld zuzuschieben“, so Hamilton. Um den Kampf gegen ungesunde Ernährung zu unterstützen, gibt die Europäische Kommission nun einen Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Geschäfts- und Marketingpraktiken heraus. Laut Alexandra Nikolakopoulou, Direktorin der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wird dies „die Lebensmittelindustrie dazu ermutigen, sich für eine Erhöhung der Verfügbarkeit gesunder und nahrhafter Lebensmittel einzusetzen“. Im dritten Dialog beschrieb Franciska Rosenkilde, Kopenhagens Bürgermeisterin für Kultur und Freizeit, die Bemühungen der Stadt, durch die Vergabe öffentlicher Aufträge nahrhafte Lebensmittel sicherzustellen. Ziel ist es, 90 % der täglich in der Hauptstadt servierten Schulmahlzeiten in Bio-Qualität anzubieten. „Gesunde Körper, gesunde Erde, gesundes Klima“, meint Rosenkilde. „Alles ist miteinander verbunden.“ Derzeit arbeitet das Projekt FOOD TRAILS an Pilotaktivitäten in elf europäischen Städten, um sie bei der gemeinsamen Entwicklung einer Ernährungspolitik für Städte zu unterstützen, die die Gemeinschaft stärkt und eine nachhaltige Lebensmittelversorgung sowie die Vermeidung von Abfall fördert. Weitere Informationen: FOOD TRAILS-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

FOOD TRAILS, Lebensmittel, Ernährungssystem, „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie, landwirtschaftlicher Betrieb, Ernährungspolitik