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Designing InnoVative plant teams for Ecosystem Resilience and agricultural Sustainability

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Mehr Schwung im nachhaltigen Anbau dank Pflanzengemeinschaften

Durch den Anbau bestimmter Mischkulturen wird es möglich, die Produktivität landwirtschaftlicher Betriebe zu steigern und gleichzeitig den Einsatz schädlicher Pestizide einzuschränken.

Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Wächst die Bevölkerung, so müssen auch mehr Münder gefüttert werden. Dies wiederum erfordert eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen könnte die Weltbevölkerung bis 2050 auf beinahe 9,7 Milliarden anwachsen. Um alle diese Menschen zu ernähren, müsste die landwirtschaftliche Produktion um 60 % gesteigert werden. Und es genügt hier nicht, einfach mehr Lebensmittel anzubauen. „Zunächst stellt sich die Frage, wie der Klimawandel sich in den kommenden Jahren auf Kulturpflanzen und Anbauperioden auswirken wird“, kommentiert Alison Karley, Agrarökologin am James-Hutton-Institut. „Außerdem muss die Landwirtschaft neue Wege finden, die den Anbau von mehr Kulturpflanzen auf nachhaltigere Art und Weise ermöglichen. Im Einzelnen gilt es, weniger Düngemittel und geringere Mengen an Pestiziden einzusetzen sowie mehr auf Kulturpflanzenvielfalt zu setzen.“ Obwohl dies auf den ersten Blick wie ein hoffnungsloses Unterfangen wirkt, verfolgen die Beteiligten eines EU-finanzierten Projektes gemeinsam einen Ansatz, über den sie eine entsprechende Lösung zu finden hoffen. Im Rahmen des Projekts DIVERSify (Designing InnoVative plant teams for Ecosystem Resilience and agricultural Sustainability) hat ein internationaler Zusammenschluss von Fachkräften aus Wissenschaft und Landwirtschaft zusammen mit weiteren Interessengruppen neue Möglichkeiten erschlossen, die Produktivität durch Kombination sich gegenseitig ergänzender Pflanzen zu steigern. „Ganz anders als die Monokultur stellt der Anbau von Pflanzengemeinschaften einen landwirtschaftlichen Ansatz dar, bei dem der Schwerpunkt auf der Diversifizierung von Kulturpflanzen liegt“, erläutert Karley, die als Projektkoordinatorin fungiert. „Unser Ziel war es, zu demonstrieren, wie durch Rückgriff auf eine Kombination miteinander kompatibler Kulturpflanzen nicht nur die Produktivität steigt, sondern auch der Bedarf an Chemikalien sinkt. Damit befinden wir uns auf dem Weg, der zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft führt.“

Die Mischung macht‘s

Zu Beginn ihrer Arbeit bemühten sich die Forschenden hauptsächlich darum, zu verstehen, welche konkreten Vorteile Pflanzengemeinschaften der Landwirtschaft potenziell erschließen. Bei der direkten Zusammenarbeit mit Agrarbetrieben in Europa und Afrika ermittelten sie bestmögliche Verfahren und Herausforderungen beim Anbau von Pflanzengemeinschaften. Außerdem führten sie Testläufe mit Kombinationen von Kulturpflanzen an verschiedenen Orten durch. „Unsere Testläufe zeigten, dass Mischkulturen Unkraut verdrängen, weniger Düngemittel benötigen und in der Regel seltener von Schädlingen und Krankheiten befallen sind. Das alles trägt zu einer Ertragssteigerung bei, die nicht durch Chemikalien herbeigeführt wurde“, merkt Karley an. „Mit Mischkulturen wächst auch die Habitatvielfalt. Lebewesen, die für die Funktion von Agrarökosystemen grundlegend wichtig sind, etwa Bestäuberinsekten oder die natürlichen Feinde von Schädlingen, finden hier dringend benötigte Ressourcen.“ Darüber hinaus konnte das Projektteam feststellen, dass Mischkulturen aufgrund einer effizienteren Ressourcenverwertung im Vergleich zu einem separaten Anbau der einzelnen Kulturpflanzen, das Potenzial für höhere Erträge bieten.

Erfolgreiche Umstellung auf Mischkulturen

Die Vorteile sind nun zwar wissenschaftlich belegt, aber eine Umstellung ist niemals einfach und beim Anbau von Mischkulturen muss ganz anders vorgegangen werden, als bisher üblich. Das Projektteam hat mehrere nützliche Instrumente entwickelt, die schlüssig die Vorteile einer Umstellung auf Mischkulturen erklären und verdeutlichen, warum dies notwendig ist. So können landwirtschaftlich Tätige etwa ein Instrument namens CropMIXER nutzen, das Ratschläge zu Pflanzenkombinationen, Bewirtschaftung und Einsatz gibt. Der Leitfaden InfoHub stellt weiterführende Fachinformationen zur Verfügung. Zudem hat das Projekt ein Netzwerk eingerichtet, in dem Landwirtinnen und Landwirte sowie weitere Interessengruppen Informationen austauschen und voneinander lernen können. „Mehrere landwirtschaftliche Betriebe, die Pionierarbeit leisten, indem sie schon jetzt Mischkulturen anbauen, haben Wissen und Erfahrungswerte weitergegeben und waren damit maßgeblich daran beteiligt, andere dazu zu bewegen, diese neuen Konzepte ebenfalls auszuprobieren“, so Karley.

Wegbereiter für zukünftige Forschung

Dem Projekt DIVERSify ist es gelungen, zu demonstrieren, welch immenses Potenzial dem Anbau von Mischkulturen innewohnt. „Unsere Forschung belegt, dass ein optimierter Anbau von Mischkulturen zur Diversifizierung der Kulturpflanzen sowie des Anbausystems führt, was wiederum eine Ertragssteigerung, höhere biologische Vielfalt und insgesamt mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft mit sich bringt“, schließt Karley. „Unsere Arbeit ebnet künftiger Forschung zu nachhaltigen Anbaumethoden und zukunftsfähiger Lebensmittelerzeugung den Weg.“ Das Projekt DIVERSify ist zwar mittlerweile beendet, die Forschenden profitieren aber nach wie vor von seinen Aktivitäten und Ergebnissen. Die Partner stellen derzeit weitere Untersuchungen zur Zucht von Mischkulturen an. Dabei arbeiten sie mit landwirtschaftlichen Betrieben zusammen, um Wertschöpfungsketten rund um die Produkte des Mischkulturanbaus einzurichten.

Schlüsselbegriffe

DIVERSify, nachhaltige Landwirtschaft, Vielfalt bei Kulturpflanzen, Landwirtinnen und Landwirte, landwirtschaftliche Betriebe, Pestizide, landwirtschaftliche Produktivität, Klimawandel, Agrarökologie, Mischkulturen, Pflanzengemeinschaften

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