Cluster-Netzwerk aus Landwirtschaftsbetrieben stärkt nachhaltige Landwirtschaft
Cluster aus Landwirtinnen und Landwirten sind Gruppen, die zusammenarbeiten, um die biologische Vielfalt zu optimieren und die Umweltergebnisse zu verbessern. Mit Unterstützung einer geschulten Moderation tauschen die landwirtschaftlichen Betriebe Wissen aus, werden Aktionen koordiniert und gemeinsam auf ihren lokalen Kontext zugeschnittene Maßnahmen ausgestaltet. „Cluster arbeiten oft mit Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaftsteams und weiteren Interessengruppen zusammen und bilden eine Brücke zwischen praktischer Landwirtschaft, ökologischer Überwachung und angewandter Forschung“, erklärt Graham Begg, Koordinator des Projekts FRAMEwork(öffnet in neuem Fenster) vom James Hutton Institute(öffnet in neuem Fenster) im Vereinigten Königreich. „Zu den abgestimmten Maßnahmen könnten Heckenanpflanzungen, Wildblumenstreifen oder Änderungen von Mähregimes gehören, die in allen Betrieben des Clusters realisiert werden.“
Die Herausforderungen für die europäische Landwirtschaft meistern
Das EU-finanzierte Projekt FRAMEwork wurde ins Leben gerufen, um das Potenzial dieser Cluster aus Landwirtschaftsbetrieben auszuschöpfen und die wichtigsten Herausforderungen zu bewältigen, denen sich die europäische Landwirtschaft gegenübersieht. Zu diesen Herausforderungen zählt der Rückgang der biologischen Vielfalt, der durch konventionelle landwirtschaftliche Systeme verursacht wird. „Die Intensivierung der Landwirtschaft, die Vereinfachung der Landschaft und der weit verbreitete Verlust naturnaher Lebensräume haben zu einem anhaltenden Rückgang der landwirtschaftlichen biologischen Vielfalt beigetragen“, erläutert Begg. „Dadurch geraten grundlegende Ökosystemdienstleistungen und die Resilienz der Nahrungsmittelsysteme in Gefahr.“ Eine weitere Herausforderung stellt die Tatsache dar, dass biodiversitätsfreundliche landwirtschaftliche Praktiken zwar gut bekannt sind, ihre Wirksamkeit jedoch in ganz Europa relativ begrenzt ausfällt. Den Landwirtschaftsbetrieben fehlt es oft an wirtschaftlicher Kapazität, um Risiken einzugehen, und sie verfügen über keinen Zugang zu vertrauenswürdiger, ortsbezogener Beratung.
Integrierte Überwachung und Bürgerwissenschaft
Das Team von FRAMEwork brachte Landwirtinnen und Landwirte mit Vermittlung und Beratung, Ökologiefachleuten, lokalen Gemeinschaften und Verantwortlichen der Politik zusammen, um gemeinsam Maßnahmen im Bereich der biologischen Vielfalt zu entwickeln. „Wir wollten sicherstellen, dass die Cluster in ihren lokalen sozialen und kulturellen Kontexten effektiv funktionieren können“, erklärt Begg. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen des Projekts eine integrierte Überwachung eingeführt, bei der Erhebungen von Fachleuten, Beobachtungen von Landwirtinnen und Landwirten und Bürgerwissenschaft miteinander kombiniert werden. Zur Bewertung der ökologischen Bedingungen und zur Erkundung von Bewirtschaftungsoptionen wurden Entscheidungsfindungswerkzeuge eingesetzt. Die Online-Drehscheibe Recodo(öffnet in neuem Fenster) wurde entwickelt, um den Datenaustausch zwischen Clustern, Schulungen und die Verbreitung guter Arbeitspraktiken zu unterstützen. Das Projektteam konnte nachweisen, dass Cluster aus Landwirtschaftsbetrieben in einer Vielzahl von europäischen Landwirtschaftssystemen und kulturellen Kontexten wirkungsvoll agieren können. „Es gibt Hinweise darauf, dass die Maßnahmen erfolgreicher waren, wenn sie gezielt eingesetzt wurden“, stellt Begg fest. „Wir haben außerdem unser Verständnis für Themen wie kooperative Governance, Motivation der Landwirtinnen und Landwirte sowie verhaltensbedingte Faktoren verbessert.“ Es hat sich erwiesen, dass Schulungen, erleichternde Maßnahmen und Governance auf Clusterebene das kollektive Handeln stärken und es den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, sich die Umweltziele zu eigen zu machen. Das Projektteam konnte ebenso Erfolge bei der Erstellung harmonisierter Protokolle zur Überwachung der biologischen Vielfalt und der Ausweitung der Nutzung digitaler Instrumente verzeichnen.
Umstellung auf biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft
Im Rahmen von FRAMEwork wurde erfolgreich ein umfassendes System entwickelt und erprobt, das soziale Strukturen, digitale Werkzeuge, ökologische Überwachung und politisches Engagement in einen einzigen, kohärenten Ansatz für das Biodiversitätsmanagement auf Landschaftsebene integriert. „Diese Integration des gesamten Systems ist einer der wichtigsten Projektbeiträge zur europäischen landwirtschaftlichen Innovation“, betont Begg. Zu den nächsten Schritten gehören die Verfeinerung der Governance-Modelle für verschiedene Clustertypen sowie die weitere Optimierung der Überwachungsprotokolle und die Verbesserung der Nutzungsfreundlichkeit der digitalen Entscheidungsfindungswerkzeuge. Das Projektteam möchte zudem die Integration von Bürgerwissenschaft und für die Landwirtschaftsbetriebe geeigneten Überwachungspraktiken weiter vertiefen. Auf diese Weise hofft das Projektteam, mithilfe koordinierter, faktengestützter Maßnahmen und einer stärkeren Beteiligung der Öffentlichkeit einen Beitrag zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft zu leisten. Diese Arbeit stellt einen kulturellen Wandel in Richtung verantwortungsvolle Betriebsführung dar, wobei die Landwirtinnen und Landwirte als Hauptaktive beim Schutz der biologischen Vielfalt anerkannt werden. Optimierte Resilienz bedeutet auch verbesserte Ökosystemdienstleistungen in Bezug auf Bestäubung, Bodengesundheit, Wasserregulierung und natürliche Schädlingsbekämpfung. „Das Projekt hinterlässt ein reproduzierbares, von der Gemeinschaft betriebenes Modell für die Umstellung der europäischen Landwirtschaft in Richtung einer biodiversitätsfreundlichen Landwirtschaft“, berichtet Begg. „Dies wird dazu beitragen, sowohl die ökologische Nachhaltigkeit als auch lebensfähige ländliche Wirtschaftsformen zu unterstützen.“