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The Judy Project: A Critical and Historical Investigation of Women and Puppetry from the Eighteenth to the Twenty-First Century

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Wie Gretel die gläserne Decke des Puppenspiels durchbricht

Forschende schreiben das klassische Kaspertheater rund um Punch und Judy neu und stellen dabei die Puppenspielerinnen und die weibliche Figur Judy, im Deutschen die Gretel, in den Mittelpunkt.

Vielleicht gibt es im englischen Puppenspiel keine Vorstellung von höherem Symbolcharakter als das Kaspertheater mit Punch und Judy. Obwohl die beiden Figuren seit 1662 das Publikum unterhalten, wird die Geschichte üblicherweise aus einer männlichen Perspektive erzählt, und das nicht nur in Bezug auf Mr. Punchs Possen, sondern auch auf die männlichen Puppenspieler. „Es gibt den alten Mythos, dass das Kaspertheater, ebenso wie viele andere Formen des Puppenspiels, eine nur von Männern geschriebene und geprägte Tradition ist“, sagt Alissa Mello, derzeitige Redakteurin von „Puppetry International“(öffnet in neuem Fenster) und ehemalige Marie-Skłodowska-Curie-Forschungsstipendiatin des Bereichs Drama der University of Exeter(öffnet in neuem Fenster), die unter der Leitung von Katherine Newey, einer Professorin an dieser Universität, arbeitet. Mit Unterstützung des EU-finanzierten Projekts JPEWP(öffnet in neuem Fenster) versucht Mello, diesen Mythos zu widerlegen. „JPEWP, oder das Judy-Projekt, hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte von Punch und Judy neu zu schreiben und eine inklusivere ‚Her-Storiografie‘, eine sie einbeziehende Schreibung der Geschichte, zu etablieren, die Frauen in den Mittelpunkt stellt – sowohl als kreative Künstlerinnen als auch als die Figur der Judy“, fügt sie hinzu.

Puppen und Geschlechterstereotypen

Mit dem Projekt, das im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen(öffnet in neuem Fenster) unterstützt wurde, wurde das Ziel verfolgt, den tiefgreifenden und oft unerkannten Beitrag von Frauen zum kulturellen Erbe des Kaspertheaters aufzudecken. Gleichermaßen wurde untersucht, wie weibliche Puppen wie Judy bzw. Gretel dazu dienten, Geschlechterstereotypen zu verstärken und zu unterlaufen. Im Sinne dieser beiden Ziele wurden im Rahmen des Projekts umfangreiche Recherchen in verschiedenen Archivsammlungen im Vereinigten Königreich, in den Vereinigten Staaten und Europa durchgeführt. Außerdem befragte das Team zahlreiche Kunstschaffende sowie führende Puppenspielerinnen und Puppenspieler der Gegenwart. „Bei dieser Arbeit werden die Praktikerinnen und die Figur Judy als zentral agierend in der Tradition in den Vordergrund gerückt und dienen nicht als Randfiguren“, erklärt Mello.

Eine neue Art, Kaspertheater zu spielen

Die Forschung im Rahmen des Projekts mündete in der Premiere von zwei neuen Punch-und-Judy-Stücken(öffnet in neuem Fenster). Beide Shows, eine für Familien und eine für Erwachsene, wurden von Nephew Spike Bones entwickelt, einem Schausteller und Nonsens-Künstler der zweiten Generation, dessen Kompetenzprofil Puppenspiel, Clownerie, Musik und allgemeine Albernheiten umfassen. Seine Show ist eine alternative Version des traditionellen Kaspertheaters, bei dem aber sowohl Mr. Punch als auch Ms. Judy im Mittelpunkt stehen. „Diese Aufführungen schlagen Wellen in der Punch-und-Judy-Gemeinschaft und veranlassen Kunstschaffende, Festivalprogrammbeauftragte und Publikum, lang gehegte Annahmen über Geschlecht, Autorität und ‚Tradition‘ in der Kunstform zu überdenken“, berichtet Mello.

Inklusivere Darstellung eines wichtigen kulturellen Erbes

Laut Mello hat das Judy-Projekt eine inklusivere Darstellung einer wichtigen Form des kulturellen Erbes geliefert. „Das Projekt hat das Kaspertheater Punch und Judy von einer scheinbar ‚starren‘ männerzentrierten Praxis in einen lebendigen Raum verwandelt, in dem die Geschichte, die Erfahrungen und das kreative Handeln von Frauen sichtbarer werden und sie die Zukunft der Tradition aktiv mitgestalten“, schließt sie. „Dieser Wandel ist besonders wichtig, da er in einer Zeit stattfindet, in der Fragen der Repräsentation, der Macht und der Gewalt gegen Frauen im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte stehen.“ Im Anschluss an das Projekt arbeitet Mello mit großen Archiven zusammen, um sicherzustellen, dass weibliche Punch-und-Judy-Künstlerinnen in den Sammlungen besser repräsentiert sind, und um zukünftige Forschungen über zeitgenössische Puppenspielerinnen zu unterstützen.

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