Skip to main content

Article Category

Article available in the folowing languages:

Hafenstädte, die (mehr als) mit der Zeit mithalten

Hafenstädte sind mit erheblichen Herausforderungen im Hinblick auf Verwaltung und Mobilität konfrontiert, die ihr Potenzial als Motoren des nationalen und internationalen Wachstums behindern können. Das Projekt PORTIS (PORT-Cities: Integrating Sustainability), das Teil der CIVITAS-Initiative ist, ging diese Probleme in fünf wichtigen Pilothafenstädten in ganz Europa an.

Verkehr und Mobilität

Das Potenzial von Hafenstädten ist ebenso beträchtlich wie die Anzahl der Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind. Diese Städte, die von der EU als Schwerpunktbereich und wesentliche Stärke eingestuft werden, mussten dennoch die Erfahrung machen, dass ein eigener Hafen mit der Zeit zunehmende Probleme mit sich bringt. Besonders problematisch sind unter anderem die Hafenverwaltung, soziale Exklusion, hohe Infrastrukturinvestitionen, eine unzureichende Integration zwischen Hafen und Stadtzentrum, autoabhängige Pendler und der rasante Wachstum des Frachtverkehrs. Im Rahmen von PORTIS hat sich ein Konsortium aus 33 Partnern unter der Leitung der Stadt Antwerpen der Aufgabe angenommen, in Hafenstädten ein vollständig entwickeltes „Innovationssystem“ einzuführen. „Wir verfolgen im Grunde zwei Strategien“, so die Projektkoordinatorin Marijke De Roeck. „Erstens eine höhere und bessere Mobilität von Waren und Dienstleistungen. Und zweitens eine bessere Gestaltung und Funktionalität städtischer Räume und Verkehrsnetze.“ Um diese mobilitätsrelevanten Bereiche zu bewältigen, hat das Projekt in fünf wichtigen Hafenstädten Maßnahmenpakete erarbeitet, demonstriert und bewertet: Aberdeen und Antwerpen an der Nordsee, Triest am Mittelmeer, Klaipeda an der Ostsee und Constanta am Schwarzen Meer. In Constanta waren beispielsweise eine mangelnde Zugänglichkeit und die dadurch bedingte Überlastung ein großes Problem. Das Projektkonsortium, dem zahlreiche Partner aus Rumänien angehörten, führte insgesamt 11 Maßnahmen ein, die drei Kernzielen dienten. Das erste Ziel war die Implementierung eines effizienten und integrierten Verkehrsmanagementsystems zwischen der Stadt und ihrem Hafen. Das zweite Ziel war eine bessere Integration des Sammeltransports von der Stadt zum Hafen, um die Nutzung von Privatfahrzeugen zu reduzieren. Drittens sollte der Zugang zum Hafengebiet durch zusätzliche Hafeneinfahrten und den verstärkten Einsatz umweltfreundlicher Verkehrsmittel verbessert werden. „Das Projekt eröffnete einen nie dagewesenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie anderen Interessengruppen und stellte ein System zur Entscheidungsunterstützung zur Verfügung, das auf relevanten Daten aufbaut. Der Hafen und die Stadt unterzeichneten darüber hinaus ein Kooperationsprotokoll für einen autounabhängigeren Pendelverkehr. So wurden neue Pendelmöglichkeiten für die Anfahrt zum Hafen eingeführt“, erläutert De Roeck. Der öffentliche Nahverkehr wurde um 104 neue Busse erweitert, von denen 41 elektrisch betrieben werden. Die Stadt richtete 39 neue Bushaltestellen und neue Busspuren auf einer Länge von 133 km ein.

Ein echter Neuanfang

Constanta ist seit PORTIS eine völlig neue Stadt. Wie aus der Statistik des Projektkonsortiums hervorgeht, entstanden an den Docks 100 neue Arbeitsplätze und 15 neue Unternehmen. Die Pendelzeit konnte um 10 % reduziert werden und der Autoverkehr für Pendelfahrten ging um 4 % zurück. Beim Rad- und Fußverkehr wurde hingegen eine Zunahme um 36 % verzeichnet. Die Ergebnisse von PORTIS könnten zudem andere Hafenstädte am Schwarzen Meer, die mehr Nachhaltigkeit anstreben, inspirieren. Auch in anderen Pilotstädten wurden positive Entwicklungen beobachtet. Die Stadt Antwerpen erstellte einen multimodalen Reiseplaner, um Daten zu erfassen und die Bürger/innen zu informieren oder durch Nudging-Konzepte zum Umstieg anzuregen. Unter den Anwohner/innen ging die Nutzung des eigenen Wagens zwischen 2017 und 2019 um 7 % zurück, während der Radverkehr um 6 % zunahm. In Aberdeen ging die Verkehrsbelastung zu den Hauptverkehrszeiten um 8 % zurück und in Klaipeda verbesserte sich die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel um 12 %. „Durch die Zusammenarbeit mit Hafenstädten wird das Projekt ein beachtliches Replikationspotenzial freisetzen. Das gilt nicht nur für andere Hafenstädte, sondern auch für andere Städte, die wichtige Verkehrsknoten und Verkehrsmagnete darstellen. Wir denken da zum Beispiel an industrielle Pole, Güterverkehrszentren, Gewerbegebiete, Unterhaltungskomplexe oder Städte an den Knoten des transeuropäischen Verkehrsnetzes“, so De Roeck dazu. Was die Zukunft auch bringen mag: PORTIS wird mit Sicherheit zu einer besseren Verwaltung und der Gestaltung von nachhaltigeren und gesünderen Hafenumgebungen anregen. Die Ergebnisse des Projekts werden zu einer besseren Integration von Verkehrssystemen und zugleich zu einer höheren Effizienz des städtischen Frachtverkehrs beitragen. Vor allem aber werden sie die Hafenstädte dabei unterstützen, ihren rechtmäßigen Platz als Wachstumspole für ganz Europa wiederzuerlangen.

Schlüsselbegriffe

PORTIS, CIVITAS, Schwarzes Meer, Hafenstädte, Mobilität, Verkehrsdichte, Verkehrsüberlastung, Constanta

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich