Die Wissenschaft findet den Schlüssel für eine glückliche Paarbeziehung
Der Stress des modernen Lebens ist zweifelsohne eine Belastung für Beziehungen aller Art. Um schwierige Phasen erfolgreich zu meistern, gibt es eine Lösung, die keine Therapie, kein Geld oder eine große Lebensumstellung erfordert. Der Schlüssel liegt im Entschleunigen und in der Wertschätzung für das Gute im Leben – nicht allein, sondern gemeinsam mit der besseren Hälfte. Es geht nicht nur darum, bedeutungsvolle Momente zu teilen, sondern sie vollkommen bewusst wahrzunehmen und andauern lassen zu können. Das kann ein Glas Wein mit der Partnerin oder dem Partner oder das Vorlesen einer Gutenachtgeschichte für ein Kind sein.
Glückliche Zweisamkeit
Ein Forschungsteam der Universität Illinois Urbana-Champaign in den Vereinigten Staaten fand heraus, dass Paare, die bewusst innehalten und schöne Momente so oft wie möglich gemeinsam aufleben lassen, glücklicher sind, sich seltener trennen und mehr Vertrauen in ihre Zukunft haben. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Higher Education“(öffnet in neuem Fenster) veröffentlicht. „Das Entschleunigen ist Teil des Genießens, damit man sich positiver Erfahrungen bewusst werden und sich auf sie konzentrieren kann“, kommentierte Erstautor Noah Larsen in einer Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster). „Das Genießen kann beim Schwelgen in Erinnerungen an ein vergangenes Erlebnis, bei der Vergegenwärtigung des Augenblicks oder beim Vorausblick auf ein zukünftiges Erlebnis entstehen.“ Die Forschenden trugen Antworten von nahezu 600 amerikanischen Erwachsenen zusammen, die in einer romantische Beziehung lebten. Mehr als 85 % davon waren verheiratet, etwa 10 % waren verlobt und die übrigen Beteiligten befanden sich in festen Partnerschaften. Das Durchschnittsalter der Probandinnen und Probanden lag bei 39 Jahren, wobei Frauen etwas mehr als die Hälfte ausmachten. Die Freiwilligen beantworteten Fragen dazu, wie häufig sie und die jeweilige Partnerin oder der jeweilige Partner sich bewusst auf positive Momente in ihrer Beziehung konzentrieren. Sie schilderten zudem ihre Beziehungszufriedenheit, ihre Kommunikationsschwierigkeiten, ihr Stressniveau, ihren allgemeinen Gesundheitszustand und ihre Zuversichtlichkeit hinsichtlich der langfristigen Zukunft ihrer Beziehung. Obwohl frühere Untersuchungen gezeigt haben, dass das Genießen das individuelle Glück steigert, wurde in dieser neuen Studie untersucht, was passiert, wenn die in Partnerschaft lebenden Personen diesem Genuss gemeinsam nachgehen.
Liebe unter Druck
„Wir haben herausgefunden, dass das gemeinsame Genießen den größten Nutzen für romantische Beziehungen sowie sekundäre Nutzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Einzelnen oder des Einzelnen hat“, so Larsen weiter. „Wenn Paare mit größerem Stress konfrontiert sind, kann das Genießen als Puffer dienen und dazu beitragen, ihr Vertrauen in ihre Beziehung und ihre psychische Gesundheit zu schützen.“ „Die Identifizierung von Faktoren, die diese Art von Puffereffekt bewirken, ist für Ehen und romantische Beziehungen wichtig, da sie Paaren greifbare Möglichkeiten bieten, auch bei erhöhtem Stressniveau eine stabile Beziehung zu führen“, erklärte Co-Autor Allen Barton, außerordentlicher Professor für Humanentwicklung und Familienstudien. „Wir sind alle beschäftigt und haben so viele Dinge in unserem Alltag zu erledigen“, lautet das Fazit von Larsen. „Wenn man – und sei es nur einmal in der Woche – die Zeit findet, zu entschleunigen, mit der Partnerin oder dem Partner im Augenblick präsent zu sein und über positive Erfahrungen in der Beziehung zu sprechen oder sich auf eine gemeinsame Freude zu konzentrieren, kann das für das Paar von großem Nutzen sein. Das kann das Schwelgen in Erinnerungen an frühere Zeiten der gemeinsamen Beziehung sein, ein gemeinsames Abendessen oder ein Gespräch über ein bevorstehendes Ereignis, dem beide mit Freude entgegenblicken. Denn gerade wenn man eine stressige Zeit durchmacht, kann es wichtig sein, sich die Zeit für diese Gespräche zu nehmen.“