Neues von ViCoZe: Kognitive Erkrankungen zukünftig besser diagnostizieren
Das EU-finanzierte Projekt ViCoZe wurde 2021 mit einer interessanten Mission gestartet: Es galt, komplexe Formen des Lernens beim Zebrafisch zu erkunden, um zu verstehen, wo Gedächtnisprozesse im Gehirn ablaufen und welche Signalwege daran beteiligt sind. Seit dem Ende des Projekts im September 2023 nutzt das Forschungsteam die Ergebnisse, um kognitive Funktionen bei Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit und Schizophrenie anhand des Zebrafischs zu erforschen. Damit wird potenziell das Verständnis für Krankheiten erweitert, die weltweit das Leben von Millionen Menschen beeinträchtigen.
Zebrafisch-Lernen auf psychiatrische Störungen ausweiten
Im Verlauf des Projekts bauten die Forscherinnen und Forscher des Projekts ViCoZe eine hochmoderne methodische Pipeline zur Untersuchung kognitiver Funktionen bei Zebrafischen auf, die ungeachtet ihrer Kleinheit und des Lebens im Wasser erhebliche genetische und neurobiologische Ähnlichkeiten mit dem Menschen aufweisen. Dem Ansatz des Teams zufolge wurden Verhaltensexperimente mit biochemischen und neurologischen Analysen sowie Genetik kombiniert, um die am Lernen beteiligten Prozesse im Gehirn, molekularen Signalwege und Gene zu entschlüsseln. Die Forschungsgruppe wendet diese Methoden an, um die kognitiven Funktionen von Zebrafischen bei psychiatrischen Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit und Schizophrenie zu untersuchen. „Wir befinden uns gegenwärtig in der äußerst spannenden Phase, in der wir die kognitiven Ergebnisse mit In-vivo-Gehirnprozessen wie Myelinisierung, Entzündungen und zerebraler Durchblutung in Verbindung bringen, und das unter Einsatz von genetisch veränderten Zebrafischlinien, Kalziumbildgebung, Neurotransmittermessungen und Genexpressionsanalysen“, erklärt Petronella Kettunen, außerordentliche Professorin und leitende Forscherin an der Universität Göteborg in Schweden, die für die Koordinierung des Projekts ViCoZe verantwortlich zeichnete. „Unser Ziel lautet, unsere Erkenntnisse aus der Zebrafischforschung in Kombination mit unseren klinischen Daten zu nutzen, um die Diagnostik unterdiagnostizierter Krankheiten, wie zum Beispiel vaskulärer kognitiver Erkrankungen, zu verbessern und in Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten für die Alzheimer-Krankheit und Schizophrenie zu schaffen.“
Eine europäische helfende Hand
Dank der EU-Finanzmittel konnten wertvolle Informationen über die Kognitionsspektren des Zebrafischs gesammelt werden. Außerdem lenkten sie die Forschung in Richtung Tierschutz und Wohlergehen der Tiere, in einen Bereich, in dem es nach wie vor an wichtigen Informationen darüber mangelt, wie Zebrafische auf nachhaltige Weise gehalten und behandelt werden können. Das Team von ViCoZe (Molecular mechanisms underlying elemental and configural learning in zebrafish) hat daher die Verfeinerung nichtinvasiver Methoden zur Untersuchung der Physiologie und Neurobiologie kognitiver Funktionen beim Zebrafisch eingeleitet. Diese Methoden könnten eines Tages auch auf andere Arten angewendet werden. Dazu gehören neue Methoden zur Beobachtung und Auswertung des Verhaltens von Tieren sowie zur Messung ausgeschütteter Stresshormone, wodurch der Bedarf an Versuchen, die Euthanasie erfordern, verringert wird. „Wichtig ist, dass sich das Know-how und die entwickelten Methoden bereits weltweit verbreiten und in neuen Projekten sowohl in Forschungskooperationen als auch von anderen unabhängigen Forschungsgruppen eingesetzt werden“, berichtet Kettunen abschließend. In der Rubrik „Was wurde aus…“ werden abgeschlossene EU-finanzierte Projekte vorgestellt und es wird darüber berichtet, was seit der Beendigung der EU-Finanzierung erreicht wurde. Wenn Sie an einer Vorstellung Ihres Projekts unter „Was wurde aus…“ interessiert sind, dann schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an editorial@cordis.europa.eu und teilen Sie uns mit, warum!