Sektorübergreifender gemeinsamer politischer Entscheidungsrahmen
Der zwischen Wasser, Energie, Lebensmitteln und Ökosystemen bestehende Zusammenhang (Water, Energy, Food and Ecosystems; WEFE), der sogenannte WEFE-Nexus, gibt wieder, wie sehr Ressourcen miteinander verbunden sind, wobei sich stets Veränderungen in einem Bereich auf die anderen auswirken. Folglich wird die Entwicklung von sie als dynamisches System behandelnden politischen Ansätzen vorangetrieben, das durch allgemeine Trends wie Klimawandel, Bevölkerungswachstum und verändertes Konsumverhalten belastet wird. „Wenn sich ein Teil des WEFE-Nexus auf andere auswirkt, kann dies erhebliche wirtschaftliche oder soziale Folgen haben, zum Beispiel weniger Handel oder steigende Preise“, sagt Janez Sušnik, Koordinator des EU-finanzierten Projekts NEXOGENESIS(öffnet in neuem Fenster). „Angesichts isolierter Politiken, die Erschöpfung der Ressourcen, Umweltzerstörung und sogar Konflikte nach sich ziehen, erscheint es dringend notwendig, die politischen Punkte miteinander zu verbinden.“ Als Reaktion darauf hat das Team von NEXOGENESIS ein sektorübergreifendes Rahmenwerk für politische Entscheidungsfindung entwickelt und validiert, das den Klimawandel und sozioökonomische Trends einbezieht und sich auf Beiträge von Interessengruppen und grenzüberschreitende (diplomatische) Überlegungen stützt.
Instrumente unterstützen fundierte Entscheidungsfindung
Den Schlüssel zur NEXOGENESIS-Methodik bildete eine interaktive Plattform, das Bewertungsinstrument NExus Policy Assessment Tool(öffnet in neuem Fenster) (NEPAT), mit dem wasserbezogene Politiken in den WEFE-Nexus integriert werden. Innerhalb von NEPAT kommen Modelle zum Einsatz, die sich auf Daten stützen, die in IPCC-Berichte(öffnet in neuem Fenster) einfließen, um die wahrscheinlichen Auswirkungen der WEFE-Politiken in bestimmten Szenarien zu simulieren und bis ins Jahr 2050 zu prognostizieren. Mithilfe maschinellen Lernens werden politische Optionen analysiert, woraus Empfehlungen für Ressourcenstrategien in Richtung spezieller Ziele resultieren. „Die für Entscheidungen Verantwortlichen können Synergien, unbeabsichtigte Folgen und Kompromisse erkennen. Die Nutzenden können aber auch gemeinsam politische Szenarien simulieren und darüber berichten und auf diese Weise Datenvisualisierungen erstellen, die transparente politische Dialoge zulassen“, erklärt Sušnik, außerordentlicher Professor für Wasserressourcenmanagement am IHE Delft Institute for Water Education(öffnet in neuem Fenster) in den Niederlanden, an dem das Projekt angesiedelt ist. NEPAT wird durch das Fußabdruck-Instrument WEFE Footprint(öffnet in neuem Fenster) ergänzt, das eine visuelle Momentaufnahme der Nexus-Interaktionen für eine spezielle Region und ein bestimmtes Szenario liefert, einschließlich der positiven, negativen oder neutralen Auswirkungen von Entscheidungen zu jedem Zeitpunkt.
Validierung über fünf Fallstudien
Der NEXOGENESIS-Ansatz wurde innerhalb von fünf Fallstudien in vier europäischen Flusseinzugsgebieten zwischen Griechenland und Bulgarien(öffnet in neuem Fenster) und Lettland und Litauen(öffnet in neuem Fenster) sowie innerhalb von Rumänien(öffnet in neuem Fenster) und Italien(öffnet in neuem Fenster), und in Südafrika(öffnet in neuem Fenster) erprobt. Im Rahmen jeder Studie ermittelten die Beteiligten die wichtigsten lokalen Herausforderungen und arbeiteten gemeinsam kreativ an der Entwicklung von Lösungen. Im Einzugsgebiet des Flusses Nestos/Mesta wurden Überschwemmungen und Küstenerosion, die Erhaltung der Umwelt, die Minderung des Klimawandels und der Ausbau erneuerbarer Energien als Prioritäten genannt. Griechenland, das flussabwärts von Bulgarien liegt, ist für zwei seiner Staudämme auf die Wasserführung des Flusses angewiesen. Die NEXOGENESIS-Instrumente und die Bereitstellung einer neutralen, dem grenzüberschreitenden Dialog dienenden Plattform trugen dazu bei, ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung zu fördern. „Bei wirksamer Wasserbewirtschaftung geht es meist mehr um Machtdynamik und nachhaltiges Engagement als um technische Lösungen. Der Aufbau von Vertrauen durch Maßnahmen wie die Einführung von mehr Verantwortlichkeit und Überwachungsmechanismen ist von zentraler Bedeutung“, fügt Sušnik hinzu.
Beitrag zu politischen Ambitionen der EU
Die projekteigenen Fallstudien veranschaulichen den Wert der NEXOGENESIS-Instrumente, die durch die Einbeziehung von Interessengruppen ergänzt werden, um einen Rahmen für politische Maßnahmen zu schaffen, mit denen die Zusammenarbeit optimiert wird. Der Ansatz unterstützt mehrere EU-Initiativen, darunter die Wasserrahmenrichtlinie(öffnet in neuem Fenster) und den europäischen Grünen Deal(öffnet in neuem Fenster). „Bottom-up-Lösungen wie unsere bringen zwar echte Vorteile, aber die Auswirkungen bleiben fragmentiert, wenn die Bemühungen nicht zu formelleren, kollaborativen, transnationalen Entscheidungsmechanismen gebündelt werden“, betont Sušnik. Die voll funktionsfähige Plattform NEPAT bildet nun die Grundlage für die laufenden Bestrebungen des Teams, ein umfassendes Rahmenwerk für WEFE-Politik weiterzuentwickeln.